Heute jährt sich mein Abflug nach Amerika. Deshalb wird es höchste Zeit, dass ich erzähle, was ich alles seit dem letzten Blog-Eintrag gemacht habe. Jetzt bin ich wieder in Deutschland und das Abenteuer Amerika ist vorbei. In diesem Jahr habe ich viel gelernt, viel studiert, viel Spaß gehabt, viel gesehen, viel Schönes erlebt, viele nette Leute kennengelernt, viele tolle Sachen erlebt und durchaus auch viel Heimweh gehabt. Das Jahr war so aufregend und erlebnisreich, dass wohl niemand außer mir selbst wirklich verstehen kann, wie sehr ich mich persönlich und akademisch weiterentwickelt habe und wie sehr mich vieles beeindruckt hat. Ich bin sehr froh und unglaublich dankbar über die Unterstützung, die ich finanziell von Fulbright und psychologisch von Thomas, meiner Familie und meinen Freunden bekommen habe. Ohne euch alle hätte ich das nicht geschafft und das Jahr wäre nur halb so schön gewesen!
Ich hoffe, dass mein Blog dieses Jahr über zumindest einen kleinen Eindruck davon geben konnte, was ich gemacht, gesehen und erlebt habe.
Seit ich das letzte Mal darüber gebloggt habe, dass ich aus meiner Wohnung in Newark ausgezogen bin, habe ich sehr viel gemacht - aber der Reihe nach:
Road Trip
Eine Woche nach Semesterende bin ich von New York aus nach Kansas geflogen, um mich dort mit Anja und Steffi zu treffen und unseren Road Trip zu starten. Unterwegs in Las Vegas ist dann noch Jenny dazugekommen und wir sind zu viert weitergebraust. Wir sind vier Wochen lang quer durchs halbe Land gefahren und haben wunderschöne Nationalparks, aufregende Städte und bezaubernde Landschaften gesehen. Insgesamt waren wir in 18 Staaten unterwegs und sind fast 12.000 Kilometer gefahren. Die Reise hat viel Spaß gemacht und mir unglaublich tolle Eindrücke von der Vielfalt und Weite der USA beschert. Ich weiß noch nicht, wie ich den Road Trip blog-technisch verarbeiten kann, weil es dazu einfach zu viele Fotos und zu viel zu erzählen gibt. Hier zumindest ein Eindruck von unserer Route:
Entspannen in New York und Umgebung
Nachdem ich das zweite Semester abgeschlossen hatte, war noch genug Zeit, um ganz ohne Stress New York und die umliegende Gegend zu genießen. Im Mai habe ich im Central Park am Wochenende ein Abschiedspicknick organisiert, zu dem alle Leute gekommen sind, die mir in diesem Jahr ans Herz gewachsen sind. Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück: Obwohl es die ganze Zeit ziemlich bewölkt war, hat es erst angefangen zu regnen, als wir sowieso gerade aufbrechen und in eine Bar weiterziehen wollten.
Auch nachdem ich vom Road Trip wieder zurückgekommen bin, hatte ich noch genug Zeit, die Gegend zu genießen und mich von anderen Leuten zu verabschieden. Ich habe ausgedehnte Spaziergänge durch viele Stadtteile gemacht, bin ins Guggenheim-Museum gegangen und habe sogar Michael Ballack im Chinatown bei einem Fußballspiel entdeckt.
Heimkehr nach Deutschland
Am 21. Juni war es dann so weit: Der Rückflug nach Deutschland stand an! Wayan und Karina, zwei Freundinnen aus Amerika, waren so nett und haben mich zum Flughafen gebracht. Sonst hätte ich mit meinen zwei großen Koffern und meinem Handgepäck, das 17 Kilo gewogen hat, wirklich Probleme bekommen. Nach einem Flug über Nacht bin ich an einem wunderschönen warmen Sommertag in München gelandet. Zum Wiedersehen sage ich nur eins: Es war schön! :-)
Über mein Empfangskomitee am Münchner Flughafen habe ich mich sehr gefreut, genauso wie über das Wiedersehen mit den Mädels.
Der erste Unterschied, der mit im Vergleich zu Amerika aufgefallen ist, hat mit dem Einkaufen zu tun. Am Tag nach meiner Ankunft wollte ich Einkaufen gehen - ging aber nicht, weil Feiertag war. Bye-bye Einkaufen sonntags und abends... Und als ich dann doch ein paar Tage später im Supermarkt war, ist mir aufgefallen, dass die Verkäufer nicht entspannt sind wie in Amerika und einem noch helfen, die Waren in Tüten einzupacken. Im Gegenteil: Hier muss man schauen, dass man möglichst schnell nach der Kasse das Weite sucht, damit sich nicht die Einkäufe der Hintermänner auf den eigenen stapeln.
Geburtstagsfeier
Meinen Geburtstag am 30. Juni habe ich mit einer Welcome-Back-Foto-und-Burger-Session verbunden. Wir haben im Garten Burger gegrillt (was sonst nach einem Jahr Amerika?) und viele Fotos vom Road Trip und anderen Sachen in Amerika angeschaut. Neben den üblichen Verdächtigen war noch jemand anders bei der Feier dabei: Martin, mein Fulbright-Kollege aus Newark. Er macht den Sommer über ein Praktikum in Düsseldorf und ist für ein Wochenende nach München gekommen. Da hat es sich gut getroffen, dass ich da gleich gefeiert habe. Am nächsten Tag habe ich ihm dann eine Stadtführung durch München gegeben, wo wir unter anderem die Eisbach-Surfer gesehen haben.
Praktikumssuche
Kaum heimgekommen, ging es auch schon mit dem Ernst des Lebens weiter. Ich habe mich auf die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung für die nächsten sechs Monate gemacht, also ein Praktikum, bevor ich dann nächstes Jahr meine Magisterarbeit schreibe. Das Ganze ging sehr gut und problemlos voran, und am 1. September fange ich in der Konzernzentrale der Allianz in München in der Unternehmenskommunikation an. Ich freue mich schon sehr darauf. Wer dazu mehr wissen will, kann mich gerne anschreiben.
Wohnungssuche
Und passend zum neuen Job gibt es auch noch eine neue Wohnung! Glücklicherweise kann ich von einem anderen Münchner Fulbrighter, der wieder zurück in die USA geht, die Wohnung übernehmen. Ab September residiere ich also in der Maxvorstadt mitten drin im Geschehen. Die Wohnung ist klein, aber fein, und das Beste ist die Lage: Keine zehn Minuten zu Fuß zum Thomas und in die Arbeit brauche ich gerade mal eine Viertelstunde, weil der Bus direkt vor der Haustür hält. Nächste Woche steht der Umzug an.
Was passiert jetzt mit dem Blog?
Den Blog habe ich angefangen zu schreiben, damit sich jeder ein Bild von meiner Zeit in Amerika machen kann. Jetzt bin ich wieder da, aber ich habe noch ein paar Geschichten auf Lager, von denen ich gerne noch erzählen würde und zu denen ich bisher noch nichts oder nur einen Entwurf geschrieben habe. Es lohnt sich also, immer noch ab und zu auf dem Blog vorbeizuschauen. Vorschläge, was ich mit dem Blog machen soll, nachdem ich auch diese Geschichten erzählt habe, sind gern gesehen!
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Dienstag, 16. August 2011
Samstag, 16. April 2011
Lena's State of Mind
Jetzt bin ich schon so lange in Amerika, dass es ja schon fast wieder Zeit für die Abreise ist. Am 11. April sind meine Mama und meine Tante nach zehn Tagen Besuch bei mir wieder nach Hause geflogen - und da war es noch genau einen Monat bis zu dem Tag, an dem hier die Uni für mich vorbei ist: am 11. Mai. Mittlerweile sind es nicht mal mehr vier Wochen bis dahin. Ich kann es wirklich kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergangen ist.
Ich weiß noch gar nicht so recht, was ich darüber denken soll. Ich freue mich einerseits natürlich sehr auf Deutschland und vor allem auf die Leute, die ich dort vermisse (auf einen ganz besonders!). Andererseits weiß ich auch, dass mir der Abschied von hier und von den Leuten, die ich hier lieb gewonnen habe, schwer fallen wird. Meine Gefühle ändern sich ja schon beim Schreiben dieses Posts.
Bis gestern war auch noch nicht wirklich klar, wann ich genau zurückkommen werde. Mein ursprünglicher Plan war genau das, was ich jetzt mache: hier zwei Semester zu studieren, dann noch einen Monat durch die USA zu reisen und dann nach Deutschland zurückzukommen. Irgendwann habe ich angefangen, mit dem Gedanken zu spielen, hier noch ein Praktikum zu machen. Ich habe aber sehr lange gebraucht, bis ich mich entschieden habe, ob ich wirklich noch länger bleiben will. Mir gefällt es hier sehr gut, New York ist toll, die Uni in Newark ist auch klasse und ich habe nette Leute kennengelernt. Trotzdem habe ich gerade auch im zweiten Semester immer wieder Heimweh gehabt. Bevor ich nach Amerika gekommen bin, dachte ich eher, dass ich am Anfang Heimweh habe und sich das dann nach und nach legt und irgendwann gar nicht mehr kommt. Es war dann aber so, dass es eigentlich ein Auf und Ab ist. Es war nie so, dass ich mir gedacht hätte, mir reicht es hier, ich will sofort nach Hause; aber doch so, dass ich mich bereit gefühlt habe, im Juni wieder zurückzugehen.
Und so habe ich hin- und herüberlegt und mich dann doch für ein paar Praktika hier beworben. Ich wollte die Chance, wenn ich jetzt schon mal hier bin, nicht ungenutzt lassen und es wenigstens versuchen. Letztendlich habe ich dann wohl zu lange gewartet und überlegt und mich erst zu spät beworben, denn ich habe kein Praktikum gefunden. Oder besser gesagt: Ich habe keine Antworten bekommen. Ablehnungsschreiben sind hier offensichtlich unüblich und werden als unwichtig eingestuft. Das lässt einen als Bewerber dann mit dem unangenehmen Gefühl in der Luft hängen, dass man irgendwann entscheiden muss, was man mit dem Sommer anfangen will, es gleichzeitig aber sein kann, dass man gleich am nächsten Tag angerufen wird, weil man ein aussichtsreicher Kandidat für eine Stelle ist. Die einzige Reaktion, die bisher kam, war eine computergenerierte Absage, dass ich nicht die Qualifikationen für die Stelle erfülle. Die E-Mail kam aber genau zwei Minuten, nachdem ich die elektronische Eingangsbestätigung für die Bewerbung bekommen hatte. Ich vermute mal, dass mich das System automatisch rausgefiltert hat, weil ich auf die Fragen "Are you a U.S. citizen or green card-holder?" und "Are you permanently authorized to work in the U.S.?" mit nein geantwortet habe - alle anderen formalen Anforderungen, die das System so schnell überprüfen kann, habe ich nämlich erfüllt. Viele andere internationale Studenten haben Ähnliches berichtet. Die einzige andere internationale Studentin, die ich kenne, die ein Praktikum gefunden hat, wird dafür nicht bezahlt - und das in einer Stadt mit Lebenshaltungskosten wie New York! Und so etwas habe ich schon im Voraus ausgeschlossen. Ich wollte mit einem Praktikum hier ja nicht reich werden, aber wenigstens die Kosten sollte es im Großen und Ganzen decken. Das Ende vom Lied war, dass ich mir einfach selbst eine Frist gesetzt habe, bis zu der ich noch Follow-Up-E-Mails rausgeschickt habe, um vielleicht doch noch eine Reaktion zu bekommen. Und da bis gestern keine einzige Reaktion gekommen ist, habe ich mich entschieden, dass ich es nicht weiter versuche und nach dem 11. Mai einfach auf große Reise gehe und dann im Juni zurückkomme.
Und das ist bei Weitem nicht das Schlechteste! Im Gegenteil, ich freue mich jetzt wahnsinnig, mehr Gewissheit zu haben und bald loszureisen - das ist ja das, was ich von Anfang an geplant hatte: zu reisen und dann im Anschluss in Deutschland ein Praktikum zu machen. Vor allem freue ich mich, weil ich schon zwei sehr nette Reisepartnerinnen habe. Das sind Anja und Steffi, die in Lawrence, Kansas, studieren. Die beiden habe ich letztes Jahr bei der Fulbright-Orientation in Berlin kennengelernt, und irgendwann haben wir den Plan geschmiedet, zusammen zu verreisen. Die Route steht noch nicht genau fest. So viel kann ich aber schon verraten: Wir werden von Lawrence aus in Richtung New Orleans starten, dann nach Westen nach Texas und zum Grand Canyon fahren, und uns dann auf den langen Weg die ganze Westküste hinauf machen. Über Vorschläge, was wir dort alles anstellen sollen, und für weitere Zwischenstopps freuen wir uns!
Und bevor es dorthin losgeht, habe ich ja hier noch ein paar Wochen Uni zu absolvieren.
An die Uni habe ich mich hier wirklich sehr gut gewöhnt. Im ersten Semester habe ich zwar auch alles gut und rechtzeitig geschafft, aber das war schon manchmal sehr, sehr stressig. Spätestens dieses Semester bin ich wirklich gut im amerikanischen Uni-Betrieb angekommen und ich weiß viel besser als am Anfang, wie ich meine Zeit einteilen muss, um unzählige Bücher und Papers für die Seminare, noch mehr Bücher für meine eigenen Projekte, Teamarbeiten und Präsentationen unter einen Hut zu bringen. Auch letztes Semester habe ich viel neben der Uni in New York und Umgebung unternommen, bin zu kulturellen Events gegangen, habe mich mit Freunden getroffen und bin weggegangen. Manchmal hat darunter dann aber schon der Schlaf oder der Kontakt mit Freunden zu Hause gelitten (Entschuldigung an dieser Stelle!). Dieses Semester hingegen habe ich das Gefühl, dass ich mehr unternehme, viel mehr verreise, meine zahlreichen Besucher aus Deutschland unterhalten kann, mich mehr ausruhen kann und trotzdem noch gut an der Uni sein kann. Hoffentlich hält das die nächsten Wochen auch noch so an!
Bis zum Ende des Semesters muss ich noch drei Arbeiten schreiben - jeweils eine in jedem meiner drei Kurse "Immigration and Performace", "Race and Sexual Politics in the Modern U.S." und "Sociology of Urban Education". Zwei kürzere Papers und ein längeres habe ich schon geschrieben. Und viele Präsentationen gehalten.
Abgesehen von der Uni habe ich auch noch einiges geplant: eine Twilight Cruise um Manhattan herum mit One to World, einen Besuch als Lehrerin in einer New Yorker Schule im Rahmen des Global Classroom Program, eine Fahrradtour mit diesmal wirklich blühenden Kirschbäumen, einen Besuch und ein Briefing über die aktuelle Situation in Libyen im UNO-Hauptgebäude, ein Ausflug in den Bronx Zoo und nicht zuletzt auch noch eine Reise nach Chicago. Das werden auf alle Fälle noch spannende und erlebnisreiche Wochen hier!
Ich weiß noch gar nicht so recht, was ich darüber denken soll. Ich freue mich einerseits natürlich sehr auf Deutschland und vor allem auf die Leute, die ich dort vermisse (auf einen ganz besonders!). Andererseits weiß ich auch, dass mir der Abschied von hier und von den Leuten, die ich hier lieb gewonnen habe, schwer fallen wird. Meine Gefühle ändern sich ja schon beim Schreiben dieses Posts.
Bis gestern war auch noch nicht wirklich klar, wann ich genau zurückkommen werde. Mein ursprünglicher Plan war genau das, was ich jetzt mache: hier zwei Semester zu studieren, dann noch einen Monat durch die USA zu reisen und dann nach Deutschland zurückzukommen. Irgendwann habe ich angefangen, mit dem Gedanken zu spielen, hier noch ein Praktikum zu machen. Ich habe aber sehr lange gebraucht, bis ich mich entschieden habe, ob ich wirklich noch länger bleiben will. Mir gefällt es hier sehr gut, New York ist toll, die Uni in Newark ist auch klasse und ich habe nette Leute kennengelernt. Trotzdem habe ich gerade auch im zweiten Semester immer wieder Heimweh gehabt. Bevor ich nach Amerika gekommen bin, dachte ich eher, dass ich am Anfang Heimweh habe und sich das dann nach und nach legt und irgendwann gar nicht mehr kommt. Es war dann aber so, dass es eigentlich ein Auf und Ab ist. Es war nie so, dass ich mir gedacht hätte, mir reicht es hier, ich will sofort nach Hause; aber doch so, dass ich mich bereit gefühlt habe, im Juni wieder zurückzugehen.
Und so habe ich hin- und herüberlegt und mich dann doch für ein paar Praktika hier beworben. Ich wollte die Chance, wenn ich jetzt schon mal hier bin, nicht ungenutzt lassen und es wenigstens versuchen. Letztendlich habe ich dann wohl zu lange gewartet und überlegt und mich erst zu spät beworben, denn ich habe kein Praktikum gefunden. Oder besser gesagt: Ich habe keine Antworten bekommen. Ablehnungsschreiben sind hier offensichtlich unüblich und werden als unwichtig eingestuft. Das lässt einen als Bewerber dann mit dem unangenehmen Gefühl in der Luft hängen, dass man irgendwann entscheiden muss, was man mit dem Sommer anfangen will, es gleichzeitig aber sein kann, dass man gleich am nächsten Tag angerufen wird, weil man ein aussichtsreicher Kandidat für eine Stelle ist. Die einzige Reaktion, die bisher kam, war eine computergenerierte Absage, dass ich nicht die Qualifikationen für die Stelle erfülle. Die E-Mail kam aber genau zwei Minuten, nachdem ich die elektronische Eingangsbestätigung für die Bewerbung bekommen hatte. Ich vermute mal, dass mich das System automatisch rausgefiltert hat, weil ich auf die Fragen "Are you a U.S. citizen or green card-holder?" und "Are you permanently authorized to work in the U.S.?" mit nein geantwortet habe - alle anderen formalen Anforderungen, die das System so schnell überprüfen kann, habe ich nämlich erfüllt. Viele andere internationale Studenten haben Ähnliches berichtet. Die einzige andere internationale Studentin, die ich kenne, die ein Praktikum gefunden hat, wird dafür nicht bezahlt - und das in einer Stadt mit Lebenshaltungskosten wie New York! Und so etwas habe ich schon im Voraus ausgeschlossen. Ich wollte mit einem Praktikum hier ja nicht reich werden, aber wenigstens die Kosten sollte es im Großen und Ganzen decken. Das Ende vom Lied war, dass ich mir einfach selbst eine Frist gesetzt habe, bis zu der ich noch Follow-Up-E-Mails rausgeschickt habe, um vielleicht doch noch eine Reaktion zu bekommen. Und da bis gestern keine einzige Reaktion gekommen ist, habe ich mich entschieden, dass ich es nicht weiter versuche und nach dem 11. Mai einfach auf große Reise gehe und dann im Juni zurückkomme.
Und das ist bei Weitem nicht das Schlechteste! Im Gegenteil, ich freue mich jetzt wahnsinnig, mehr Gewissheit zu haben und bald loszureisen - das ist ja das, was ich von Anfang an geplant hatte: zu reisen und dann im Anschluss in Deutschland ein Praktikum zu machen. Vor allem freue ich mich, weil ich schon zwei sehr nette Reisepartnerinnen habe. Das sind Anja und Steffi, die in Lawrence, Kansas, studieren. Die beiden habe ich letztes Jahr bei der Fulbright-Orientation in Berlin kennengelernt, und irgendwann haben wir den Plan geschmiedet, zusammen zu verreisen. Die Route steht noch nicht genau fest. So viel kann ich aber schon verraten: Wir werden von Lawrence aus in Richtung New Orleans starten, dann nach Westen nach Texas und zum Grand Canyon fahren, und uns dann auf den langen Weg die ganze Westküste hinauf machen. Über Vorschläge, was wir dort alles anstellen sollen, und für weitere Zwischenstopps freuen wir uns!
Und bevor es dorthin losgeht, habe ich ja hier noch ein paar Wochen Uni zu absolvieren.
An die Uni habe ich mich hier wirklich sehr gut gewöhnt. Im ersten Semester habe ich zwar auch alles gut und rechtzeitig geschafft, aber das war schon manchmal sehr, sehr stressig. Spätestens dieses Semester bin ich wirklich gut im amerikanischen Uni-Betrieb angekommen und ich weiß viel besser als am Anfang, wie ich meine Zeit einteilen muss, um unzählige Bücher und Papers für die Seminare, noch mehr Bücher für meine eigenen Projekte, Teamarbeiten und Präsentationen unter einen Hut zu bringen. Auch letztes Semester habe ich viel neben der Uni in New York und Umgebung unternommen, bin zu kulturellen Events gegangen, habe mich mit Freunden getroffen und bin weggegangen. Manchmal hat darunter dann aber schon der Schlaf oder der Kontakt mit Freunden zu Hause gelitten (Entschuldigung an dieser Stelle!). Dieses Semester hingegen habe ich das Gefühl, dass ich mehr unternehme, viel mehr verreise, meine zahlreichen Besucher aus Deutschland unterhalten kann, mich mehr ausruhen kann und trotzdem noch gut an der Uni sein kann. Hoffentlich hält das die nächsten Wochen auch noch so an!
Bis zum Ende des Semesters muss ich noch drei Arbeiten schreiben - jeweils eine in jedem meiner drei Kurse "Immigration and Performace", "Race and Sexual Politics in the Modern U.S." und "Sociology of Urban Education". Zwei kürzere Papers und ein längeres habe ich schon geschrieben. Und viele Präsentationen gehalten.
Abgesehen von der Uni habe ich auch noch einiges geplant: eine Twilight Cruise um Manhattan herum mit One to World, einen Besuch als Lehrerin in einer New Yorker Schule im Rahmen des Global Classroom Program, eine Fahrradtour mit diesmal wirklich blühenden Kirschbäumen, einen Besuch und ein Briefing über die aktuelle Situation in Libyen im UNO-Hauptgebäude, ein Ausflug in den Bronx Zoo und nicht zuletzt auch noch eine Reise nach Chicago. Das werden auf alle Fälle noch spannende und erlebnisreiche Wochen hier!
Freitag, 5. November 2010
Bayern in Amerika
Vor ein paar Wochen habe ich gemeinsam mit anderen Rutgers-Studenten Bayern nach Amerika importiert: Wir haben eine kleine Wiesn in Newark organisiert (für die Nicht-Bayern unter den Lesern: ein "Oktoberfest"). Eigentlich war das Ganze eine Veranstaltung der Business School und von deren International Student Organization, bei der Martin und Ömercan mitmachen. Neben ihnen sind noch Studenten aus anderen Ländern dabei, von denen aber noch niemand auf der Wiesn war. Da kam es gerade gelegen, dass ich die Idee super gefunden habe und unbedingt mitorganisieren wollte.
Um richtige Wiesn-Stimmung aufkommen zu lassen, haben wir uns einiges vorgenommen: echtes bayerisches Bier, Brezn, Wiesn-Hits, blau-weiße Deko und ein kleiner Sprachführer mit deutschen Wörtern und Sätzen auf jedem Tisch und eine Foto-Slideshow an der Wand mit Fotos aus den letzten Jahren Wiesn. Außerdem haben wir ein sehr einladendes Plakat gestaltet, das in der Business School ausgehängt wurde.
Es hat seine Wirkung offensichtlich nicht verfehlt, denn es sind 130 Leute zu unserem Event geströmt - viel mehr, als wir erwartet hatten. Vielleicht lag es aber nicht nur am Plakat, sondern daran, dass die ganze Veranstaltung von der Uni gesponsert wurde und dass deswegen alles - Eintritt, Bier, Brezn - umsonst war.
Wie zu erwarten war, hat das Bier natürlich großen Anklang gefunden. Ich kann gar nicht zählen, wie oft mir Leute gesagt haben, dass sie deutsches Bier viel besser finden als amerikanisches oder das aus anderen Ländern. Dementsprechend lang war auch die Schlange am Ausschank. Zum Glück ist uns das Bier nicht ausgegangen!
Genauso war es mit den Brezn: Die waren wirklich sehr lecker und ich glaube, ich habe noch nie gesehen, wie 200 Brezn so schnell verschwinden können.
Und wie es sich gehört, war ich im Dirndl auf unserer Wiesn. Ich glaube, das war für viele ein guter Einstieg, um mit mir und den anderen über Deutschland und die deutsche Kultur ins Gespräch zu kommen. Einige haben mir erzählt, dass sie schon mal in Deutschland und in München waren, und es war sogar eine dabei, die schon mal auf der Wiesn war. Ich fand es sehr interessant, dass sie mir erzählt hat, dass sie ganz erstaunt war, dass das Oktoberfest allgemein und ganz besonders die Bierzelte keinen Eintritt kosten. Darüber habe ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht.
Die Wiesn war ein richtig tolles Event. Es war schön, alles, was wir geplant haben, in die Tat umzusetzen, und zu sehen, wie viele Leute sich für Deutschland interessieren und sich mit mir unterhalten wollten. Außerdem war die ganze Atmosphäre drum herum wirklich toll, mit den Fotos und Plakaten an der Wand und altbekannten Wiesn-Hits und Schlagern zum Mitsingen im Hintergrund.
Hier ein kleiner Eindruck von unserer Playlist:
Um richtige Wiesn-Stimmung aufkommen zu lassen, haben wir uns einiges vorgenommen: echtes bayerisches Bier, Brezn, Wiesn-Hits, blau-weiße Deko und ein kleiner Sprachführer mit deutschen Wörtern und Sätzen auf jedem Tisch und eine Foto-Slideshow an der Wand mit Fotos aus den letzten Jahren Wiesn. Außerdem haben wir ein sehr einladendes Plakat gestaltet, das in der Business School ausgehängt wurde.
Es hat seine Wirkung offensichtlich nicht verfehlt, denn es sind 130 Leute zu unserem Event geströmt - viel mehr, als wir erwartet hatten. Vielleicht lag es aber nicht nur am Plakat, sondern daran, dass die ganze Veranstaltung von der Uni gesponsert wurde und dass deswegen alles - Eintritt, Bier, Brezn - umsonst war.
Wie zu erwarten war, hat das Bier natürlich großen Anklang gefunden. Ich kann gar nicht zählen, wie oft mir Leute gesagt haben, dass sie deutsches Bier viel besser finden als amerikanisches oder das aus anderen Ländern. Dementsprechend lang war auch die Schlange am Ausschank. Zum Glück ist uns das Bier nicht ausgegangen!
Genauso war es mit den Brezn: Die waren wirklich sehr lecker und ich glaube, ich habe noch nie gesehen, wie 200 Brezn so schnell verschwinden können.
Und wie es sich gehört, war ich im Dirndl auf unserer Wiesn. Ich glaube, das war für viele ein guter Einstieg, um mit mir und den anderen über Deutschland und die deutsche Kultur ins Gespräch zu kommen. Einige haben mir erzählt, dass sie schon mal in Deutschland und in München waren, und es war sogar eine dabei, die schon mal auf der Wiesn war. Ich fand es sehr interessant, dass sie mir erzählt hat, dass sie ganz erstaunt war, dass das Oktoberfest allgemein und ganz besonders die Bierzelte keinen Eintritt kosten. Darüber habe ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht.
Die Wiesn war ein richtig tolles Event. Es war schön, alles, was wir geplant haben, in die Tat umzusetzen, und zu sehen, wie viele Leute sich für Deutschland interessieren und sich mit mir unterhalten wollten. Außerdem war die ganze Atmosphäre drum herum wirklich toll, mit den Fotos und Plakaten an der Wand und altbekannten Wiesn-Hits und Schlagern zum Mitsingen im Hintergrund.
Hier ein kleiner Eindruck von unserer Playlist:
- Wolfgang Petry: Wahnsinn
- Nena: 99 Luftballons
- DJ Ötzi: Hey Baby
- Buddy vs. DJ The Wave: Ab in den Süden
- Dschingis Khan: Moskau
- STS: Fürstenfeld
- Spider Murphy Gang: Skandal im Sperrbezirk
- Rex Gildo: Fiesta Mexicana
- Hermes House Band: Country Roads
- Und natürlich durften auch das 'Prosit' und Marschmusik nicht fehlen!
Freitag, 1. Oktober 2010
Amerikaner und ihr Bild von Deutschland
Als letzte Woche mein Koffer aus Deutschland mit dem Dirndl drin ankam, habe ich das gleich meinen Mitbewohnerinnen gezeigt. Sie fanden es alle sehr schön, aber eine hat gefragt, ob das ein normales Alltagskleid ist. Sie hat aber schon vermutet, dass nicht. Ich habe ihr dann erklärt, dass wir das natürlich nicht immer tragen und auch nicht in allen Teilen von Deutschland. Ich habe ich mir dann gedacht, woher soll sie es auch wissen. Ich weiß ja auch nicht, ob in Indien ein Sari für den Alltag oder für besondere Anlässe ist.
A propos Dirndl: Wenn ich erzähle, dass ich aus München komme, kommt in 80 Prozent der Fälle im nächsten Satz, den die Amis sprechen, die Wörter "Oktoberfest" oder "beer" vor. Jaja, so ist das mit den Bayern in der Welt - überall werden sie nur auf Bier und die Wiesn reduziert. ;-) Ich wurde schon ziemlich oft gefragt, wie mir das amerikanische Bier schmeckt (schlecht!) und ob wir wirklich Bier aus Masskrügen trinken (ja!). Viele erwähnen dann auch irgendetwas von deutscher Wurst, aber da muss ich sie leider enttäuschen und sagen, dass ich da keine große Kennerin bin.
Abgesehen von diesen Klischees fragen die meisten interessiert nach, wenn ich erzähle, dass ich aus Deutschland komme: Zum Beispiel über die Politik in Deutschland, über das Schul- und Uni-Leben, meine Familie, die Kultur usw. Und ich habe viele Amerikaner getroffen, die schon nach Deutschland gereist sind und mir dann von ihren Eindrücken dort erzählen. Die Top-Reiseziele unter ihnen scheinen Berlin, Heidelberg und München zu sein. Manche waren auch in Städten wie Düsseldorf oder Wiesbaden (gibt es da was Interessantes zu sehen?) Einige, die ich kennengelernt habe, waren selbst schon eine Zeit lang im Ausland: in Deutschland, Frankreich, Spanien, Australien oder Argentinien. Es stimmt also gar nicht, dass die Amerikaner ihr Land nie verlassen und ganz komische Vorstellungen über Europa und den Rest der Welt haben
Außerdem ist mir noch aufgefallen, wie viele Leute hier deutsche Wurzeln haben. Das wusste ich zwar eigentlich vorher aus dem Studium schon irgendwie im Hinterkopf, aber so richtig bemerkt habe ich es erst hier. Folgende Konversation habe ich schon oft geführt:
- Amerikaner: "Where are you from?"
- Ich: "I'm from Germany."
- Amerikaner: "Oh, I'm German, too! A few generations ago though."
Besonders bemerkenswert finde ich dann, dass viele sich wirklich als "German" bezeichnen und nicht als "German American". Und wie genau einige wissen, welcher ihrer Vorfahren (Ur-Großvater mütterlicherseits mit Bruder oder so) von wo in Deutschland eingewandert sind und wo sie sich niedergelassen haben.
Die folgende Karte zeigt alle amerikanischen Counties und die Herkunft der Vorfahren, die die Leute dort angeben. Das viele Hellblaue sind die, deren Familien aus Deutschland eingewandert sind.
Die meisten Amerikaner sind überrascht, wie klein Deutschland ist. Ist verständlich - wenn ich daran denke, wie groß die USA sind, kommt mir Deutschland auch klein vor. Mein Flug von San Francisco nach Newark, also ein Mal quer über den Kontinent, hat fünf Stunden gedauert. Zum Vergleich: Die schlaue Seite www.meine-flugzeit.de hat mir gesagt, dass zum Beispiel ein Flug von München nach Moskau nur drei Stunden dauert, und dass man von München aus in viereinhalb Stunden in Baghdad oder Teheran sein kann (wenn man denn da hin will). Und in der gleichen Zeit kann man Deutschland sicher von Westen nach Osten ganz und von Norden nach Süden halb durchqueren. Wenn ich sage, dass etwas weit weg ist, weil es drei Stunden mit dem Auto entfernt liegt, zucken die Amis nur mit den Schultern. Da ist das ganz normal. Es gibt hier auch Leute, die jeden Tag eineinhalb Stunden mit dem Auto in die Arbeit fahren - einfach. Man gewöhnt sich aber schnell an die Entfernungen hier. Ich bin ja mit dem Bus viereinhalb Stunden nach Boston gefahren, obwohl ich nur von Samstag Mittag bis Sonntag Abend dort war.
Das ist alles, was mir bis jetzt über Amerikaner und Deutschland aufgefallen ist. In den nächsten Monaten kommt bestimmt noch mehr, und dann gibt es einfach einen neuen Blog-Eintrag.
P.S.: Die Seite ist wirklich schlau. Dank ihr weiß ich jetzt auch, dass ich gerade 6481 Kilometer von zu Hause weg bin.
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